UA-Nr: UA-169/2008
AI-Index: MDE 13/084//2008
Datum: 17.06.2008
WILLKÜRLICHE FESTNAHME / DROHENDE FOLTER UND MISSHANDLUNG
Iran:
Frau Mahboubeh Karami, 40-jährige Journalistin und Frauenrechtlerin
und etwa 200 weitere Personen
Die Journalistin und Frauenrechtlerin Mahboubeh Karami wurde am 13. Juni 2008 aus einem Bus geholt und von Sicherheitskräften in Zivil festgenommen. Der Bus passierte den Mellat-Park in Teheran, kurz nachdem dort eine Demonstration stattgefunden hatte. Etwa 200 weitere Personen wurden im Zusammenhang mit der Demonstration festgenommen. Die Demonstrierenden waren nach bisherigen Informationen von Amnesty International nicht gewalttätig vorgegangen. Der Aufenthaltsort von Mahboubeh Karami und den anderen 200 Personen ist nicht bekannt. Ihnen drohen Folter und andere Misshandlungen.
Die Deutsche Welle (in persischer Sprache unter: http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3412526,00.html) berichtete unter Berufung auf iranische Nachrichtenagenturen, dass die Sicherheitskräfte Tränengas und Elektroschlagstöcke eingesetzt hatten, um die Demonstrierenden auseinanderzutreiben. Die Sicherheitskräfte errichteten in der an den Park grenzenden Vali Asr-Straße Kontrollpunkte. Autofahrerinnen und -fahrer wurden aufgefordert weiterzufahren und die Fenster geschlossen zu halten. Die Sicherheitskräfte hielten mehrere Buslinien an und stiegen in die Busse ein, darunter war auch der Bus, in dem Mahboubeh Karami saß.
Ehe die Sicherheitskräfte in den Bus stiegen, rief Mahboubeh Karami auf dem Mobiltelefon ihre Mutter, Frau Mosa’edi, an, um ihr zu sagen, dass sie in einem Bus vom Tajirsh-Platz (nordöstlich von Mellat-Park) säße, dieser aber im Stau stünde. Nach zwanzig Minuten rief Mahboubeh Karami erneut ihre Mutter an und teilte ihr mit, sie werde gerade aus dem Bus geholt und man habe ihr den Mantel entrissen. Dann brach die Verbindung ab. Seither kann ihre Familie sie auf dem Mobiltelefon nicht mehr erreichen.
Frau Mosa’edi teilte der „Kampagne für Gleichberechtigung“ mit, dass ein anderer Fahrgast die Tasche ihrer Tochter auf der Straße gefunden und sie der Familie zurückgegeben habe. Er hatte ihr weiter berichtet, dass man alle weiblichen Fahrgäste aus dem Bus geholt hatte, obwohl nach seinem Ermessen keine von ihnen an der Demonstration beteiligt gewesen war, da sie alle im Bus gesessen hatten.
Der Bruder von Mahboubeh Karami ging zur Hafteinrichtung Vozara, um sich nach dem Verbleib seiner Schwester zu erkundigen. Dort traf er auf viele Angehörige der Festgenommenen, die versuchten, etwas über den Verbleib und das Wohlergehen ihrer Verwandten herauszufinden. Niemand aus dieser Gruppe erhielt Informationen. Eine Freundin von Mahboubeh Karami, Rezvan Moghaddam, ging zum Vanak-Platz, um herauszufinden, ob man sie in der dortigen Hafteinrichtung festhielt. Auch sie konnte nichts über Mahboubeh Karamis Verbleib in Erfahrung bringen.
Bei einer Pressekonferenz am 14. Juni 2008 bestätigte der Leiter der Teheraner Justizbehörden, Ali Reza Avaie, dass 200 Personen festgenommen worden waren. Laut Aktivistinnen der „Kampagne für Gleichberechtigung“ sagte er, dass diejenigen, die unschuldig seien oder nur geringfügiger Vergehen verdächtigt würden, innerhalb einer Woche über den Stand ihres Falls unterrichtet werden würden.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Die Demonstrierenden im Mellat-Park protestierten gegen die Festnahme vom Abbas Palizdar am 11. Juni 2008. Er hatte mehrere hohe iranische Beamte in Reden, die er im Mai 2008 an den Universitäten in Hamedan und Shiran hielt, der Korruption beschuldigt. Er gehörte zu einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der Justizaffären untersucht hatte.
EMPFOHLENE AKTIONEN
Schreiben Sie bitte E-Mails oder Luftpostbriefe, in denen Sie
- Ihre Sorge darüber zum Ausdruck bringen, dass Berichten zufolge um die 200 Personen, darunter auch Mahboubeh Karami, am 13. Juni 2008 nach einer offenbar friedlichen Demonstration festgenommen wurden;
- die Behörden auffordern, die Namen aller Festgenommenen sowie ihren Aufenthaltsort bekannt zu geben;
- die Behörden um die Zusicherung bitten, dass die Festgenommenen im Gewahrsam weder gefoltert noch in anderer Weise misshandelt werden;
- fordern, allen Gefangenen umgehend Zugang zu ihren Familien, zu einem Rechtsanwalt ihrer Wahl und, falls nötig, medizinische Betreuung zu gewähren;
- an die Behörden appellieren, alle Festgenommenen umgehend freizulassen, sofern sie keiner als strafbar erkennbaren Handlung angeklagt werden und umgehend ein faires Verfahren erhalten.
APPELLE AN
Leiter der Teheraner Justizbehörden
Head of the Judiciary in Tehran
Mr Ali Reza Avaie
Karimkhan Zand Avenue,
Sana’i Avenue, Corner of Ally 17, No 152,
Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Dear Mr Avaei)
E-Mail: avaei@Dadgostary-tehran.ir
Präsident
His Excellency Mahmoud Ahmadinejad
The Presidency, Palestine Avenue
Azerbaijan Intersection, Tehran, IRAN
E-Mail: dr-ahmadinejad@president.ir
via website: www.president.ir/email
KOPIEN AN
Oberste Justizautorität
Ayatollah Mahmoud Hashemi Shahroudi
Howzeh Riyasat-e Qoveh Qazaiyeh
Pasteur St., Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri
Tehran 1316814737, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: info@dadgostary-tehran.ir (Betreff: FAO Ayatollah Shahroudi)
Leiter der iranischen Behörde für Menschenrechte
His Excellency Mohammad Javad Larijani
Howzeh Riassat-e Ghoveh Ghazaiyeh (Office of the Head of the Judiciary)
Pasteur St, Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhuri, Tehran 1316814737, IRAN
Fax: 00 98 21 3390 4986 (please keep trying)
E-Mail: fsharafi@bia-judiciary.ir
int_aff@judiciary.ir
(Betreff jeweils: FAO Mohammad Javad Larijani)
Botschaft der Islamischen Republik Iran
S.E. Herrn Mohammad Mehdi Akhondzadeh Basti
Podbielskiallee 65-67, 14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 29. Juli 2008 keine Appelle mehr zu verschicken.
Please send appeals to arrive as quickly as possible, in English or your own language:
- expressing concern at the reports that around 200 people, including Mahboubeh Karami, were arrested on 13 June following an apparently peaceful demonstration;
- calling on the authorities to clarify the names and current whereabouts of all those arrested;
- urging the authorities to ensure that none of those arrested are tortured or otherwise ill-treated while in detention;
- calling for all those detained to be allowed immediate access to their families, lawyers of their choice and to any medical treatment they may require;
- calling for the immediate release of all those detained unless they are charged with recognisably criminal offences and brought to trial promptly and fairly.

هیچ نظری موجود نیست:
ارسال یک نظر